Archiv für Oktober, 2008
Bittere Medizin für Hasenherzen
Who ever wanted to have a loan, knows that banks ask, what collateral, reserves or equity capital you have. Questions that now the banks themselves have to be answered. Ironically governments actually are trying to find solutions for problems they have brought on the banks. This sets a thief to catch a thief. The remedy applied are bitter pills we all have to swallow.

Wer schon mal einen Kredit haben wollte, weiß, dass Banken gewöhnlich danach fragen, welche Sicherheiten, Rücklagen oder Eigenkapital man hat. Fragen, die nun die Banken selbst zu beantworten müssen. Ironischer weise versuchen nun Regierungen diese Fragen zu beantworten und Lösungen für Probleme zu finden, die sie selbst verschuldet haben. Der Kreditmarkt ist ein Angebotsmarkt und Geld will fast jeder. Wenn Kredite billig, jedoch ohne eingehende Bonitätsprüfung zu haben sind, dann werden sie natürlich auch von jenen genommen, die sie sonst nicht bekommen würden. Von „maßlosen Bankern“ zu sprechen ist ebenso verfehlt wie von einer „gierigen Mittelschicht“. Schließlich gab keine Massendemonstration von Kreditwilligen, die Banken belagerten, um günstige Immobilienkredite zu erhalten. Die Idee einen „Subprime-Markt“ für weniger solvente Kunden zu schaffen, entstammt der Clinton-Ära. Anstelle eines ökonomisch stabilen Eigenheimprogramms das Häuser für Mittellose finanzierte, wurden riskante Kredite vergeben, fehlbewertet und weiterverkauft. Dies geschah unter dem bewusst in Kauf genommenen Risiko der mangelnden Bonität der Neukunden. Das Programm veranlasste die US-amerikanische Zentralbank ( FED) den privaten Banken Geld zu geben und entsprechende Kunden zu werben. Dies sollte die US-Wirtschaft ankurbeln und sich selbst tragen. Sozusagen ein Wirtschaftswachstum auf Pump. Zusammen mit erhöhten Steuern und abgesenkten Staatausgaben, insbesondere im Sozialbereich hatten die „Clintonomics“ Erfolg und einen ausgeglichen Staatshaushalt hinterlassen. Möglich wurde dies auch durch zunehmende Investitionen ausländischer Geldgeber, die nun auf den US-Markt drängten, um als Geld- und Kreditgeber am Clintonschen Wirtschaftswunderland teil zu haben. Saudische Ölscheichs, japanische Großbanken und nicht zuletzt auch Europäer karrten ihre Gelder Containerweise in die USA, um Kreditnehmer der unteren Mittelschicht aus den Vorstädten beim Häuslebau zu helfen. Diese wiederum wurden von den verlockenden Angeboten (vom Staat gefordert und gefördert!) verführt, die finanzierbaren Pläne nach bezahlbaren Wohnungen und kleinen Anschaffungen gegen die Aussicht auf privates Eigentum einzutauschen. Hätten die Banken so gehandelt, wie sie es ohne staatliche Vorgaben üblicherweise tun, wäre die Mehrzahl dieser „faulen Kredite“ nie vergeben worden. Alles schien ganz fabelhaft zu funktionieren, da die US-Wirtschaft boomte, während in Europa die Massenarbeitslosigkeit grassierte. Doch dann kam der 11. September 2001 und mit ihm der Zusammenbruch des Fortschrittglaubens. Rasch bröckelte das Vertrauen in die sog. New Economy und das virtuelle Wachstum zahlreicher Dot-Com-Firmen erwies sich als Luftblase. Der Dollar triumphierte zunächst über den neu eingeführten Euro, so wie Bush über Saddam Hussein. Letzterer hortete im Erdloch in den er ergriffen wurde bezeichnender Weise stapelweise 100 – Dollar-Noten. Doch seinem Beispiel wollte niemand folgen. Die US-Regierung unter George W. Bush sah sich zum weltweiten Kampf gegen den Terror berufen und verpulverte Milliardensummen im arabischen Sand. Doch stieß dieser militärische Kampf international auf, sagen wir mal, geteiltes Echo und zahlreiche Anleger der restlichen Welt investierten nun lieber in den Euro als in den Dollar – auch in der Hoffnung, auf diese Weise den Dollar und somit die USA-Wirtschaft zu schwächen, die andererseits aber in der eigenen Handelsbilanz vom niedrigen Dollar-Kurs profitierte. Das „kalkulierte Risiko“ des Subprime-Markts ging als Rechnung nun solange auf, solange die Kreditnehmer dazu in der Lage waren, ihre Kredite auch zurückzubezahlen. Steigende Kreditzinsen und explodierende Energiepreise machten dem aber nicht nur einen Strich durch die Rechnung. Die betroffenen US-Banken gingen ihrerseits nun dazu über, Teile dieser „faulen Kredite“, verbunden mit „regulären“ als collateralized debt obligations (CDO) mit attraktiven Ratings auszustatten und an ausländische Banken und Institute zu verkaufen. Diese griffen begierig zu, sahen sie doch die einmalige Chance im vordergründig boomenden US-Immobiliengeschäft Fuß zu fassen. Japanische, arabische, europäische Banken, darunter nicht wenige staatliche Landesbanken aus Deutschland sahen bei weiterhin künstlich erhöhten Immobilienpreisen auch kein unkalkulierbares Risiko. Mit den Immobilien selbst als Sicherheit sollten solide Käufer gewiss kein Problem sein. Diese blieben freilich aus. Die nun ab 2006 einsetzende Welle an Zwangsversteigerungen brachte den Banken erhebliche Verluste ein, da ein allgemeiner Preisverfall damit einherging. In der Folge nun stimmten die Zahlen der Banken, die mit überteuerten Assets bilanziert hatten natürlich nicht mehr mit der nüchternen Realität überein. „Gewinnwarnungen“ alarmierten Anleger und Banken wie Rückversicherer begannen einander im Interbankenmarkt zu misstrauen und schließlich platzte die Blase. Banken wurden zahlungsunfähig, gingen pleite, wurden aufgekauft oder zumindest teilweise verstaatlicht, während die Aktienkurse weltweit im Sinkflug waren. Wie immer wenn etwas ordentlich schief läuft stellt sich die Schuld-Frage und diese wird bereitwillig mit der allseitigen Anklage des „kapitalistischen Systems“ beantwortet. Das ist populistisch und kommt gut an, verschweigt aber, warum etwa deutsche Politiker, die in den Aufsichtsräten der beteiligten staatlichen Banken saßen, jede eigene Verantwortung verleugnen und stattdessen Manager weit weniger betroffener privater Banken an den Pranger stellen und Debatten über deren Haftung und Bezüge anzetteln. Der Staat hatte massiv lenkend und verzerrend in den Markt eingegriffen (und damit die Gier jener Banker, die er nun als Ursache des Problems ansieht, verschuldet.. Die nun in den USA und in der EU aufgelegten Rettungspläne in utopischen Milliardenhöhen sind dabei nun aber keine Lösung des ursächlichen Problems, sondern schlicht die massive Erhöhung jenes Medikaments, das den Markt vergiftet hatte. Kapitalismus, bzw. Marktwirtschaft, basiert jedoch auf Freiheit und Eigentumsrecht. Die massive Umverteilung von Eigentum durch den Staat zur Ankurbelung der Konjunktur ist genaue das Gegenteil einer freien Marktwirtschaft. Die in Europa als erz-kapitalistische geltende US-Wirtschaft hat sich von den Prinzipien des freien Marktes aber schon seit Roosevelts „New Deal“ im Prinzip verabschiedet. Immer dann wenn es zu einer Konjunkturdelle kam, griff der Staat ein, um den Markt mit Geld zu Investitionen anzuregen. Das entspricht vielmehr einer staatlichen Planwirtschaft als einem „zügellosen Kapitalismus“. Eine Privatisierung der Post etwa ist in den USA kein Thema. Der United States Postal Service ist und bleibt ohne Diskussion in Staatsbesitz. Als Ende der 80er-Jahre US-Sparkassen zu Hunderten kollabierten, sprang bereits der Staat ein, was US-Steuerzahler 125 Milliarden Dollar kostete. Bereits 2003 nach den Bilanzskandalen bei Enron vertrieb die Bush-Regierung mittels vor Überregulierung strotzenden Gesetzen zahlreiche börsennotierte Unternehmen von der Wall Street. Nun folgt mit der De-facto-Verstaatlichung der ohnehin einst staatlichen Unternehmen Fannie Mae und Freddie Mac “die größte Nationalisierung in der Geschichte der Menschheit”, die der Ökonom Nouriel Roubini als “den radikalsten Regimewechsel in der globalen Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahrzehnte” beklagt. Die USA seien auf dem besten Wege, sich russischen Verhältnissen anzugleichen, weitere Forderungen an Moskau sich dem freien Markt zu öffnen, seien überflüssig. Und in Deutschland? Es stellt sich schon mal die Frage, wie der Staat überhaupt Gebühren für seine „Garantien“ bemessen will, wenn er die Bonität der besicherten Banken nicht kennt. Die Bundesregierung wird sich mit 80 Milliarden Euro an klammen Banken beteiligen, also eine Teilverstaatlichung betreiben. Verstaatlicht werden logischerweise nur die miesen Banken und Geschäfte der Staat selbst wird dadurch das was er anderen vorwerfen will: zum Zocker. Ganz so als ob die Pleiten diverser Landesbanken und der KfW noch nicht reichten. Sicher ist es vorstellbar, dass diese Banken irgendwann auch wieder reprivatisiert werden könnten. Zu wahrscheinlich ist dies nicht. Der Weg aus der Krise: Nicht mehr Staat, sondern weniger Staat ist die Lösung. Wenn der Preis hierfür eine Wirtschaftskrise ist, dann muss er bezahlt werden, denn die Krise kommt früher oder später, nur wenn sie früher kommt, ist ihr Ausmaß geringer. Banken, Kunden, aber auch Politiker müssen (aufs neue?) lernen, dass es kein einklagbares „Naturrecht auf Gewinn“ gibt. Das meiste im Leben muss man sich erarbeiten. Und wie immer im Leben gibt es Aufs und Abs. Mal gewinnt man, mal verliert man. Besitz und Geld verschwindet nicht im Jenseits, es gehört nur einem anderem. Dieser Andere ist nicht selten der Staat. Andre Kostolany, der berühmter Börsenfachmann, sagte einst, die Börse habe ein Hasenherz. Damit brachte er jene hasentypische Eigenschaft ins Gespräch die meist als Feigheit oder übertriebene Furchtsamkeit gedeutet wird, andere aber als Wachsamkeit und Vorsicht werten. Hasen sind abgesehen davon aber auch dafür bekannt, sehr schnell zu sein, wenn es darum geht, sich vor Gefahren in Sicherheit zu bringen. Dabei sind sie dazu in der Lage für ihre Verfolger oft verwirrende Haken zu schlagen und Richtungsänderungen vorzunehmen. Nicht wenige neigen nun selbst zur Angst, vor den „Börsianern“ und blasen zur Hasenjagd auf die bösen Spekulanten. Und die Hasen selbst? Sie zerstreuen sich in alle Winde und suchen sich sichere Höhlen, sprich lukrative Anlagen und „bunny money“ und sie tun, was Hasen eigentlich am besten können: sich munter vermehren, so wie eh und je.
(Oktober 2008, erschienen im EuroJournal 4/2008)
Oktober 25, 2008 at 12:04 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar